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Interview mit KADDZ – das smarte GPS Halsband für Katzen

KADDZ ist ein smartes GPS Halsband für Katzen. Das Gerät wurde von Jungunternehmern aus Biel gegründet. Erfahren Sie im Interview mehr zu den Hintergründen des Start-Ups und dem besonderen Gadget für die Katze.

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In den Medien hört man viel, „die GPS Katze“, „die SMART Katze“ „der Mobilfunkvertrag für Katzen“. Wir sind neugierig geworden und möchten wissen: Was steckt wirklich hinter KADDZ?

KADDZ ist ein smartes Halsband für die Katze mit einem integrierten GPS-Sender. Es ist eigentlich ein Smartphone ohne Display, verbaut in einem Halsband. Man kann damit herausfinden, wo die Katze ist und was sie macht.

Wie funktioniert diese Technologie genau?

Das Halsband ist ein autonomer Computer mit eigener Stromversorgung. Die Daten werden über die eingebaute SIM-Karte versendet. Als Besitzer kann man die versendeten Daten in einer App anschauen. Wussten Sie, dass 90% aller verlorenen Haustiere Katzen sind?!

Gab es schon Rückmeldungen über Verbindungsprobleme?

Die GPS Funktion ist nur im Freien möglich. Das Halsband kann aber auch WLAN Verbindungen empfangen und aufzeichnen. Diese Entwicklung läuft momentan noch und wird dann in Zukunft auch eine Ortung innerhalb von Gebäuden möglich machen. Problematisch sind Orte, wo es keinen Handyempfang gibt, dann können nämlich keine Daten mehr gesendet werden. Durch die automatische Aufzeichnung des Bewegungsprofils weiss man dann wenigstens, wo sich die Katze zuletzt aufgehalten hat.

Hat das Band gesundheitliche Nachteile / Folgen für die Katze?  

Es gibt Katzen, die noch nie ein Halsband getragen haben und auch keines wollen. Die Kunden können uns dann das Halsband zurückschicken, weil wir ein 14-tägiges Rückgaberecht haben. Die meisten Katzen haben aber keine Probleme. Unser Halsband ist aber momentan nur für ausgewachsene Katzen, weil es noch etwas gross ist. Junge Katzen sollten es deshalb nicht tragen. Die Strahlung ist nicht hoch, weil die Daten nur alle 5-15 Minuten einmal kurz für eine Sekunde gesendet werden.

Wie viele Nutzer verzeichnet ihr momentan?

Momentan nutzen 2‘200 Kunden unser Produkt. Rund 80% der User nutzen das Halsband und die App täglich. Einige zeichnen mit dem KADDZ das Revier der eigenen Katze auf und wissen so allmählich, wo man suchen muss. Diese Kunden nutzen das Halsband dann teilweise nicht mehr täglich. Wir erhalten viele Resonanzen von unseren Kunden. Das ist für die Weiterentwicklung des Produkts enorm hilfreich.

Wie sieht es geografisch aus? Nur die Schweiz oder findet diese moderne Technologie auch schon Zuspruch in anderen Ländern?

Wir sind im DACH-Raum gestartet und jetzt ist England dazu genommen. Die meisten Kunden kommen derzeit jedoch aus Deutschland, vor allem in Berlin sind wir sehr beliebt. Die Erschliessung einer neuen Sprachregion ist extrem aufwendig, weil wir nicht nur die App anpassen müssen, sondern auch den Service in der Sprache anbieten müssen. Momentan arbeiten wir auch an einer Erweiterung in den französischen Sprachraum. Aber als Start-Up mussten wir immer gut abwägen, wie weit man gehen möchte. Wir haben aber z.B. auch viele skandinavische Kunden, die das Produkt auf Englisch nutzen.

Unterscheidet sich die Zielgruppe der Schweiz von anderen auf der Welt?

Wir sehen vor allem Unterschiede im Online-Kaufverhalten. In der Schweiz wollen die Kunden eine Rechnung. Hier müssen wir die meisten Mahnungen rauslassen, um dann schliesslich den Kaufpreis zu erhalten. In England dagegen wird immer sofort per PayPal bezahlt. Uns ist auch aufgefallen, dass die Nutzer in Deutschland preissensibler sind.

Welche Marketing-Instrumente nutzt ihr, um bekannt zu werden?

Also wirklich bekannt sind wir ja noch nicht! Aber wir arbeiten daran. Selber machen wir vor allem Social Media und Online-Marketing.

Wir betreiben eine grosse Facebook Community für vermisste Katzen. Hier haben wir rund 48‘000 Nutzer im deutschsprachigen Raum. Monatlich werden 1‘500 Vermisst-Meldungen auf dieser Plattform publiziert. Wir bieten gemeinsam mit der Community Lösungen an, um die Katzen wiederzufinden. Die Lösung kann dabei mit oder ohne unser Halsband zustande kommen. In den kommenden Wochen werden wir unsere App mit der Facebook Anbindung erweitern, damit kann man bspw. direkt ein Foto einer verlorenen Katze über die App in der Community posten.

Kommen wir einmal zu den USP’s. Gibt es Konkurrenz und wenn ja, wie unterscheidet ihr euch? 

Es gibt Konkurrenz. Wir unterscheiden uns mit KADDZ dadurch, dass unser Produkt nur für Katzen ist. Herkömmliche GPS-Sender sind nicht wirklich für Katzen zu gebrauchen. Wir haben die Aktivitäten von Katzen beobachtet und so unser Produkt massgeschneidert. Wir haben uns auch überlegt, was die Suche nach der Katze möglichst vereinfacht. Deshalb haben wir auch ein helles LED-Licht eingebaut, welches man per App einstellen kann, wenn man die Katze im Dunkeln sucht.

Wie finanziert ihr euch langfristig selbständig? Wie funktioniert das Modell?

Wir haben einerseits den Kaufpreis für das Halsband, andererseits haben wir ein Abo-Modell für die Zusatzdienstleistungen. Unsere Wertschöpfung funktioniert eigentlich nur über das Abo. Das ist eigentlich ein Datenabo, vergleichbar mit einer SIM-Karte, das man für 3, 6 oder 12 Monate bestellen kann.

Nennt uns die 3 grössten Herausforderungen vor, während und nach eurer Gründung!

Vor der Gründung war die schwierigste Aufgabe, das richtige Team zusammenzustellen. Die Leute mussten sich auch ergänzen! Danach hatten wir die Schwierigkeit, das Projekt wirklich umzusetzen. Im Rückblick würde ich auch die Aktienverteilung viel später regeln, weil man erst später merkt, wer wirklich bereit ist, die Idee auf den Boden zu bringen und wer die Leistung nicht bringt. Nach der Gründung ist die Investorensuche die grösste Herausforderung. In der Schweiz ist gerade die Erwartungshaltung hoch, aber die Risikobereitschaft klein.

Wie steht ihr zum Thema Fehler? Was war euer grösster aber auch lehrreichster Fehler?

Wir haben natürlich viele Fehler gemacht. Der grösste Fehler ist uns bei der ersten richtigen Finanzierungsserie passiert. Wir hatten einen fixen Betrag im Kopf den wir innerhalb von drei bis sechs Monaten sammeln wollten. Wir unterschätzten aber den zeitlichen Aufwand massiv! Am Schluss hatten wir neun Monate mit der Finanzierungsrunde verbracht und gerade einmal 50% unseres Finanzierungszieles erreicht.

Was die rechtlichen Belange angeht, einer unserer Mitgründer ist ein Anwalt, der sich gut auskennt. Das hat uns extrem geholfen. Aber das Thema ist sehr wichtig und war eine grosse Fragestellung bei uns. Ich konnte auch vom Wissen profitieren, dass ich bei meinem ersten Start-Up sammelte. Empfehlenswert ist gerade bei Finanzierungen Experten hinzuzunehmen, denn es gibt viele schmutzige Tricks auf die man nicht reinfallen möchte.

Habt ihr ein Entrepreneur-Idol? 

Ich habe jetzt kein explizites Gründeridol. Mich beindruckt aber Elon Musk von Tesla sehr stark. Er ist bei jedem Unternehmen mit viel Herzblut dabei. Er war ja auch schon Mal komplett pleite und hat dann aber trotzdem weiter gemacht.

Wie sieht es mit Zukunftsvisionen aus? Wo steht ihr und wo möchtet ihr hin?

Zurzeit prüfen wir Anwendungsmöglichkeiten für unser Halsband, wenn einmal viele Katzen ein KADDZ tragen. Wir haben uns bspw. überlegt, dass wir zusätzlich in Echtzeit Umweltdaten sammeln könnten und diese dann interessierten Unternehmen und Behörden zur Verfügung stellen. Aber auch andere Daten können erhoben werden.

Ein weiteres Einsatzgebiet wäre die Auffindung von gestohlenen Gegenständen. Die Räuber entfernen nach einem Raub schnell die GPS Sender, damit man sie nicht verfolgen kann. Aber Bluetooth Verbindungen sind bspw. immer noch vorhanden und so könnte man über Halsbänder in der Nähe den Aufenthaltsort des Gegenstandes ermitteln. Die Katze als Spionin!

Was sind eure schon spruchreifen „Next-Steps“?

Im Moment wollen wir mit unseren bestehenden Produkten stärker in den Markt gehen. Das zweite Thema ist eine weitere Finanzierungsrunde. Dabei suchen wir noch einmal ein bis zwei Millionen, um die Hardware weiter zu entwickeln und die Marktbearbeitung zu intensivieren.

Was möchtet ihr angehenden Neugründern und Neugründerinnen mit auf den Weg geben?

Dazu erzähle ich gerne eine Anekdote aus unserer Gründungsphase als Schweizer Hardware-Start-Up. Wenn ein Schweizer Software-Startup ins Silicon Valley geht, sind alle unglaublich beeindruckt. Wir sind in der Region Shenzhen angesiedelt, dem Silicon Valley der Hi-Tech-Hardware. In dieser Region werden 70% der weltweiten Unterhaltungselektronik produziert. Auch Apple produziert seine iPhones in Shenzhen. Trotzdem müssen wir uns immer wieder rechtfertigen, weshalb wir in China produzieren.

Ein bezahlbares Elektronikprodukt kann man nur in China produzieren. Die meisten machen diesen Schritt aber noch nicht und denken, man kann doch auch in der Schweiz produzieren. Ein Produkt mit Herstellungskosten von CHF 50.- kann man hier einfach nicht herstellen.

Gibt es ein witziges oder unglaubliches Erlebnis aus eurer bisherigen Start-Up-Zeit mit KADDZ?  

Einmal haben wir einen Anruf auf unseren Support bekommen und die Kundin fragte uns: „Gerade ist meine Katze mit einem Halsband von ihrer Firma zurückgekommen. Ich habe ihr aber keines angelegt! Können Sie mir das bitte erklären?“

Wir haben sie dann gebeten das Halsband anzuschauen und uns die Nummer anzugeben. Wir haben dann die Nummer überprüft und rausgefunden, dass der Besitzer einen halben Kilometer weiter weg wohnt. Wir haben ihn dann angerufen und er hat uns erklärt, dass seine Katze von Donnerstag bis Sonntag immer weg ist. Sie sei nur von Montag bis Mittwoch zu Hause, deshalb wollte er wissen, wo sie sich dann befindet. Wir haben noch einmal bei der anderen Kundin angerufen und sie hat uns erzählt, dass sie ein Gourmetrestaurant betreibt, welches nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet ist. Die Katze lebt nun seit zwei Jahren immer von Donnerstag bis Sonntag im Gourmetrestaurant und wird verwöhnt. Von Montag bis Mittwoch gab es das normale Katzenfutter beim ursprünglichen Besitzer. Die Katze war im Restaurant richtig bekannt, alle Gäste haben sie gekannt und geschätzt. Die Katze hat also ein Doppelleben geführt! Die ursprünglichen Besitzer gehen nun öfters in das Gourmetrestaurant und sie haben akzeptiert, dass die Katze ein Doppelleben führt. Der Restaurantbesitzer dachte vor zwei Jahren, dass diese Katze kein Zuhause habe und er hat sie deshalb adoptiert. Wir haben dann Begriff Catnapping dafür eingeführt.

Nennt mir ein Zitat, welches euch in den letzten Jahren als Start-Up begleitet hat!

Zitat: „Man muss die eigene Komfortzone verlassen, wenn man etwas erreichen will. Man kann die Welt nicht vom Bürosessel aus verändern.“

Wie steht ihr zum Thema digitale Transformation? Klar, ihr betreibt eine Online Plattform, aber setzt ihr im Marketing rein auf die digitalen Medien?

Im Marketing machen wir eigentlich alles online. Auch unsere Serverstruktur haben wir ausgelagert zu Amazon. Die Digitalisierung ist in vollem Gange und gerade in China sind sie uns weit voraus. Will man bspw. einen Geldbetrag überweisen, geht das wenige Sekunden mit micropayment-Technologie. Viele Chinesen bestellen auch fast alles online, vom Shampoo für die Dusche bis zur Nudelsuppe für‘s Mittagessen.

Vielen Dank!

» Start-Up Szene» Online Gründen

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2 Kommentare zu “Interview mit KADDZ – das smarte GPS Halsband für Katzen

  1. Schade, dass die Firma bereits insolvent ist… Kaddz ist Geschichte… Dabei war es definitiv eine tolle Sache und in der Tat das beste GPS Halsband für Katzen am Markt! Meiner Meinung war das Marekting zu schlecht – Auch wir haben das Produkt erst nach langen Recherchen im Internet gefunden. Alle anderen Katzenbesitzer in unserem Umfeld hatten davon noch nie was gehört…

    • Ganz meine Meinung. Ich musste ja zwangsläufig auf etwas anderes ausweichen und habe mich für PetPointer entschieden.
      Der ist nicht annähernd so gut wie KADDZ es war, nicht durchdacht, ungenau…etc. Ich finde ebenfalls, das Marketing war absolut unzureichend. Niemand kannte und kennt KADDZ und leider liess am Anfang auch der Support zu wünschen übrig.
      Schade, sehr schade musste die junge Firma ihre Schriften bereits wieder hinterlegen :(. Hätte ich genügend Geld zur Hand, werden ja wohl mehrere 100K sein, würde ich sofort einsteigen, natürlich mit vielen Änderungen :).

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