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Interview mit Dr. Thomas Schumann, neuer Leiter im Technopark Winterthur

Dr. Thomas Schumann ist seit Juli 2016 Geschäftsführer des Technoparks Winterthur. In dieser Funktion ist er ein wichtiger Ansprechpartner für Start-Ups, die sich in der Region Winterthur ansiedeln möchten. Wir wollten genauer wissen, wie er seine neue Aufgabe anpackt und haben deshalb ein ausführliches Interview mit ihm geführt.

 

Herr Schumann, Sie sind der neue Geschäftsleiter des Technoparks Winterthur. Was fallen hier denn für Aufgaben an?

Ich möchte vorausschicken: Wir sind ein Team (4 Personen), das die vielfältigen Aufgaben bewältigt – keine one-man show. Die Aufgaben lassen sich grob in drei Kategorien gliedern: 1. Vermietungsgeschäft, 2. Veranstaltungen und Gastronomie, 3. Startup-Betreuung und –Förderung. Ich persönlich widme mich, neben den üblichen Führungsaufgaben, schwerpunktmässig der Startup-Förderung. Das reicht von der Evaluation von Interessenten, der Vermittlung von Kontakten und der Suche nach Projektpartnern bis zum aktiven Coachen von Startups in der Frühphase. Ich beschäftige mich zudem mit neuen Formen der Zusammenarbeit und der Erleichterung firmenübergreifender Zusammenarbeit. Mein grösstes Projekt momentan ist die Errichtung und Inbetriebnahme der WORKERIA, eines Coworking Spaces innerhalb des Technoparks. Eines tun wir allerdings nicht: Wir haben keinen eigenen Fonds, um direkt in den einen oder anderen Startup zu investieren. Bezüglich der Finanzierung vermitteln wir aber, dank unseres Netzwerks, geeignete Sponsoren.  Und wir reduzieren den Mietzins für Startups in den ersten drei Jahren.

Sie haben Optik, Bio- und Atmosphärenphysik an der ETH studiert. Wie hat es Sie in den Start-Up Bereich gezogen?

Das war ein längerer Weg. Nach der ETH war ich zunächst im Amt für Umweltschutz des Kt. St. Gallen tätig. Ich war dort für die Luftqualitätsmessungen verantwortlich, später für den ganzen Bereich Luftreinhaltung. Auf der anderen Seite des Tisches sassen oft Unternehmer, und ich fand deren Herausforderungen sehr viel spannender. Ich habe deshalb ein betriebswirtschaftliches Studium an der Uni St. Gallen angehängt. Mit diesem Zusatzrucksack war ich dann im Technologie- und Innovationsmanagement für verschiedene Firmen tätig, insbesondere auch in der Gebäudetechnik und der Automation.

Sie haben ein eigenes Start-Up gegründet und waren auch im Technopark Winterthur eingemietet. Sie wissen also wo der Schuh drückt?

Genau. 2003 gründete ich die Adhoco AG (www.adhoco.com), und ich entwickelte zusammen mit einem Kollegen der ETH Lausanne und einem Abgänger der MSW Winterthur eine selbstlernende, auf Funk basierende Smart-Home-Lösung. Schon damals konnten wir unsere Geräte via Internet steuern und betrieben, was man heute eine Cloud-Lösung nennt. Wir hatten immer Liquiditätssorgen, versuchten unsere externen Investoren zu überzeugen, und gingen mit unseren Produkten früh in den Markt. Unser härtester Mitbewerber kam aus den USA. Während er mit einem einzigen technischen Standard und einer einzigen Sprache wachsen konnte, kämpften wir mit den verschiedenen Handwerker-Gepflogenheiten und Vertriebskanälen in Europa, und übersetzten in 6 Sprachen. Da habe ich sehr viel gelernt. Im Technopark fühlte ich mich immer sehr gut aufgehoben. Deshalb wohl auch die Rückkehr, in neuer Funktion.

Das zentrale Ziel des Technoparks ist der Technologietransfer. Wie erreicht man dieses Ziel konkret und welche Unterstützung kann der Technopark dabei bieten?

Mein Credo ist, dass der Transfer hauptsächlich über die Köpfe geht. Man spricht miteinander, lernt sich kennen und sich vertrauen, und stellt seine an einem Arbeitsplatz gemachte Erfahrung an einem nächsten Ort zur Verfügung. Da ist räumliche Nähe ganz wichtig. Und natürlich die Geisteshaltung: Wir brauchen eine Kultur des Geben und Nehmens. Die Sharing-Kultur, die auch bei uns, vorab bei den Jungen,  Einzug hält, ist da eine ganz gute Voraussetzung. Und es braucht Leute aus der akademischen Welt, die interessiert und willens sind, sich unternehmerischer Verantwortung zu stellen. Da betreibt die ZHAW mit dem Center for Innovation and Entrepreneurship sehr gute Sensibilisierungsarbeit für die Studenten. Und wir am Technopark bieten mit einem guten Netzwerk zu Investoren und zur Industrie einen weiteren Brückenpfeiler. Daneben offerieren wir eine grosse Fülle an Weiterbildungsveranstaltungen und Networking-Events an, und bieten unsere guten Dienste bei der Vermittlung von Coaches, Investoren und Schlüsselkunden an.

Viele Spin-Offs mit viel Technologiewissen kommen von den beiden technischen Hochschulen ETH und EPFL. Ist Winterthur nicht der falsche Standort für einen Technopark?

Winterthur ist ein exzellenter Standort. Eben wurde die Stadt als drittattraktivste Schweizer Stadt ermittelt. Insbesondere punktet Winterthur mit guten Bildungsmöglichkeiten, bezahlbarem Wohnraum, einem grossartigen Kulturangebot und einer grünen Lunge. Und am Flughafen ist man schneller als vom Stadtzentrum Zürich aus. Was als Hausaufgabe bleibt – und da ist der Technopark gefragt – ist eine kritische Masse zu bilden an Unternehmertum, Startup-Erfahrungswissen und Investoreninteresse.

Sie weisen auf Ihrer Webseite auf den „Runway Startup Incubator“ hin. Was hat mit diesem Angebot auf sich?

Der RUNWAY ist ein gemeinsames Projekt mit der ZHAW/Zentrum for Innovation und Entrepreneurship, und wird von der ZKB grosszügig unterstützt. Hier können Angehörige der ZHAW, die Interesse an einer Startup-Gründung haben, ihre Ideen verfeinern, erste Kunden gewinnen, und einen investorenreifen Businessplan entwickeln. Für 6 Monate werden sie von Experten gecoached und lernen, ihre Geschäftsidee auf den Punkt zu bringen. Es sind etwa ein Dutzend solcher Projekte am Laufen. Etliche haben schon abgehoben, das bekannteste Beispiel ist wohl die Firma Advanon, die vor kurzem ihre A-Finanzierungsrunde mit einem Betrag von 13.5 MCHF abschliessen konnte.

Der Technopark Winterthur wurde seit der Gründung im Jahr 2000 erfolgreich durch den ehemaligen Geschäftsleiter René Hausammann geführt. Wie gehen Sie mit den hohen Erwartungen an Ihr Amt um und wie können Sie eigene Akzente setzen?

Die Erwartungen sind natürlich hoch, wenn man ein so grossartiges „Lebenswerk“ übernehmen darf. Andererseits wurde mir auch signalisiert, dass von mir auch neue Akzente erwartet werden. Einen ersten bin ich gerade daran, umzusetzen: Wir wollen ab April 2017 auf 200 m2 einen Coworking Space der besonderen Art anbieten: Wir wollen den Gap zwischen dem RUNWAY (siehe oben) und unserem bestehenden Mietangebot schliessen, und bestehenden Technopark-Mietern die Möglichkeit bieten, noch flexibler zu wachsen. Ein zweites Projekt nennt sich „Table Talk“. Es dient der besseren Vernetzung unserer Mieter. Monatlich lade ich eine bekannte Persönlichkeit zu einem Mittagessen am runden Tisch ein, wo diese mit 8 Mitarbeitern von Technopark-Firmen über ein vorab bestimmtes Thema diskutieren können. Ein weiteres – ganz grosses – Projekt steckt in der Pipeline. Mehr später.

Wie ist die Beziehung mit den anderen Technoparks wie z.B. Zürich. Herrscht hier ein starker Wettbewerb um neue Mieter?

Die Technopark Allianz ist ein loser Verein der Technoparks, die diese geschützte Marke verwenden dürfen. Wir profilieren uns mit einigen USPs, insbesondere die Nähe zu Universitäten/Fachhochschulen und die Flexibilität im Mietangebot. Wettbewerb gibt es natürlich, und das ist auch gut so – es fördert die Innovation im Angebot der Anbieter. Was rar ist, sind die wirklich guten Startups. Diese werden (soll ich sagen: leider?) oft von den attraktiven Rahmenbedingungen z.B. von Berlin, London oder USA angezogen und wandern ab. Für die Schweizerische Volkswirtschaft ist das wohl ein gewisser Verlust, und wir versuchen als Technopark, Gegensteuer zu geben.

Die Schweiz wird gerade überhäuft mit Förderprogrammen für Jungunternehmer. Viele Regionen bieten aufwendige Coachings und weitere Dienstleistungen an. Wie positioniert sich der Technopark in dieser Vielfalt an Angeboten?

In der Tat gibt es einen bunten Strauss von Angeboten. Wir fokussieren uns auf unsere eigene Rolle, mit der Mission „wir vernetzen Kompetenzen“. D.h. wir bieten einen exzellenten Firmenstandort an bester Lage, mit vielfältigem Vernetzungs- und Unterstützungsangebot sowie einem grossen Weiterbildungs- und Veranstaltungsangebot an. Für Coaching, Finanzierung und Service-Dienstleistungen stützen wir uns auf die Angebote unserer Partner.

Herr Schuman, wir danken Ihnen herzlich für dieses interessante Gespräch!

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