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Interview mit Manfred Jüni dem Erfinder von zzysh

Manfred Jüni ist der Erfinder von zzysh dem innovativen Frischesystem für Getränke und Lebensmittel. Das Produkt verschliesst einmal geöffnete Wein- und Champagnerflaschen unter einer Schutzatmosphäre und bewahrt so das prickelnde Gefühl für das nächste Mal auf. Erfahren Sie im Interview mit STARTUPS.CH, welche Stolpersteine der erfolgreichen Markteinführung im Weg standen und wie der Gründer diese überwinden konnte.

manfred jueni zzysh

Herr Jüni, als Gründer von zzysh hauchen Sie geöffneten Flaschen wieder neues Leben ein. Was kann man darunter verstehen und wie funktioniert zzysh denn genau?

Wir erhalten Lebensmittel bzw. Wein, Champagner und Prosecco so frisch, als wären sie noch gar nie geöffnet worden. Das System funktioniert so, dass die Luft in der Flasche durch eine Schutzatmosphäre ersetzt wird. Die Zusammensetzung dieser Schutzatmosphäre besteht im Wesentlichen aus denselben Elemente wie unsere Atemluft, aber in einer anderen Zusammensetzung.

zzysh gibt es in zwei Produktkategorien: ZZYSH WINE kann man für alle Rot- und Weissweine sowie Rosé verwenden. ZZYSH CHAMPAGNE eignet sich hervorragend für alle Champagner und Proseccos.

Der Hauptvorteil von zzysh liegt darin, dass man beim zweiten Öffnen der Flasche keine Veränderungen im Geschmack und kein Ausperlen feststellt. Der Flascheninhalt fühlt sich noch genauso an wie beim ersten Mal.

… An welche Zielgruppen richtet sich zzysh denn?

Wir haben uns auf zwei Zielgruppen festgelegt. Die erste sind Männer mittleren Alters, die ein Flair für gute Weine haben und deshalb eher bessere Weine kaufen, die man nicht gleich an einem Abend austrinken möchte. Die zweite Zielgruppe besteht aus Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die gerne Champagner oder Prosecco trinken und dabei auf anhaltende Qualität Wert legen. Für die Repräsentation dieser zweiten Zielgruppe konnten wir Sylvie Meis als zzysh-Weihnachts-Botschafterin gewinnen.

Sie haben Maschinenbau studiert und auch erfolgreich abgeschlossen. Sie könnten jetzt bereits Forschungsleiter in einem internationalen Industriekonzern sein. Wieso haben Sie sich dagegen entschieden?

Mein Naturell entsprach schon immer dem eines Unternehmers. Ich liebe es neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese dann auch umzusetzen. Gerade die Herausforderung der Organisation der verschiedenen Geschäftsbereiche wie Produktion, Verkauf und Marketing macht mir besonders Spass. Als Ingenieur hätte ich nur einen Teil der Wertschöpfungskette gesehen und wäre ein Spezialist geblieben. Hier bei zzysh muss ich ein gesamtheitliches Konzept vor Augen haben und die Strategien nach diesem ausrichten.

… weshalb haben Sie nicht gleich BWL studiert?

Ein BWL Studium kam für mich gar nie in Frage, weil ich ein Handwerk lernen wollte. Nach meiner Lehre als Polymechaniker wollte ich diese Fachrichtung weiter vertiefen und studierte deshalb Maschinenbau. Den betriebswirtschaftlichen Hintergrund habe ich mir im Selbststudium, der Hilfe meines Coaches und durch das Ausüben des operativen Geschäfts beigebracht.

Von meiner technischen Ausbildung konnte ich aber immer wieder profitieren. Zuerst einmal bei der Erfindung von zzysh selber. Danach konnte ich aber auch in den Gesprächen mit dem Produktionspartnern schnell herausfinden, welche Angebote für uns passen und wo es Unstimmigkeiten gab. Zudem das gesamtheitliche Denken in diversen Bereichen, welches ich durch die Ausbildung mitbekam.

Ihre erste Erfindung war „zzysh Food“: Wie sind Sie darauf gekommen?

Dies entstand als ich einmal einen Fertigsalat im Coop für das Mittagessen einkaufte. Ich stellte fest, dass die Schutzatmosphäre eine wesentliche Erleichterung im Alltag darstellte, da man den Salat nicht selber waschen und rüsten musste. Trotzdem fühlte sich der Salat sehr frisch an und gab ein gutes Mittagessen her. Da ich die Lehre in der Verpackungsindustrie absolvierte, begann ich mich sofort weiter für die Verpackung samt Schutzatmosphäre zu interessieren und kam schliesslich zum Schluss, dass man dieses Konzept auch auf andere Lebensmittel anwenden kann.

… wie geht es „zzysh Food“ jetzt?

Die Einführung im Testmarkt war 2012/2013. Hier stiessen wir auf einige Herausforderungen, wie die völlig unbekannt Marke und die neue Technologie. Gerade die Technologie hatte grossen Informationsbedarf und war deshalb sehr beratungsintensiv. Hinzu kam der sehr hohe Einstiegspreis von CHF 500.00, der auch abschreckte.

Wir lernten aus diesen Erfahrungen und verarbeiteten die zahlreichen Feedbacks, die wir an Messen, Verkaufsständen und Kundengesprächen sammelten. Daraus entwickelten wir schliesslich die 2. Generation von zzysh Food, die nun einfacher in der Bedienung ist und deutlich weniger kosten wird.

… wie sind sie schliesslich auf „zzysh Drink“ gekommen?

Als wir zzysh Food an Produktmessen den Kunden näher brachten, kristallisierte sich eine Frage immer wieder heraus: „Gibt es denn dieses System auch für Wein und Champagner?“. Schnell entdeckten wir das Kundenbedürfnis und entwickelten daraus das heutige zzysh Drink Geschäftsmodell.

Das zzysh System ist äusserst innovativ, aber auch teuer. Sie mussten bereits CHF 6 Mio. in die Entwicklung und Industralisierung investieren. Wie schützen Sie sich vor Kopien und anderen Konkurrenten?

Einerseits probieren wir schnell zu sein und so vom First-to-Market Effekt zu profitieren. Andererseits schützen wir die Kerntechnologie durch eine Reihe von internationalen Patenten. Zusätzlich haben wir auch strategische Kooperationen mit den Herstellern, die wir aktiv einbinden.

Was raten Sie anderen Erfindern und Jungunternehmen in Bezug auf Schutz des Geschäftsmodells?

Zuerst sollte man die Schutzfähigkeit der eigenen Erfindung bzw. des Geschäftsmodells prüfen lassen. Danach sollte man diese möglichst breit und international anmelden. Dies ist am Anfang ein kapitalintensiver Prozess, er verschafft einem aber auch zusätzliche Zeit, um das Produkt in aller Ruhe weiterzuentwickeln. Zu lange sollte man sich aber nicht Zeit nehmen, sondern die Erfindung schnell an einem Testmarkt erproben.

Sie waren in der Sendung „die Höhle der Löwen“ und haben kein Investment bekommen. Konnten Sie etwas aus dieser Erfahrung lernen und wie wirkte sich der Auftritt auf Ihre Marktpräsenz aus?

Das Investment haben wir damals leider nicht erhalten, der Auftritt in der Sendung hat sich aber trotzdem extrem gelohnt. Die mediale Präsenz stieg während und kurz nach der Sendung auf extrem an. Zusätzlich meldeten sich auch diverse Vertriebspartner für Kooperationen.

Auch in den sozialen Medien erreichten wir eine höhere Präsenz. Der Auftritt in der Sendung wurde dabei sowohl positiv wie auch negativ bewertet. Schliesslich brachte gerade diese umkämpfte Diskussion noch mehr Internetpräsenz.

Sie hätten ein Investment von CHF 1 Mio. benötigt, wie konnten Sie zzysh auch ohne dieses Investment erfolgreich starten?

Der Kapitalbeschaffungsprozess begleitete unser Start-Up von der Gründung bis hin zu den momentanen Expansionsplänen. Für die Produktentwicklung benötigten wir viel Startkapital, welches uns am Anfang von Business Angels zur Verfügung gestellt wurde. Als wir ein marktfähiges Produkt hatten, kamen Privatinvestoren und unser Produktionspartner hinzu, die mit ihren Investments die serienmässige Produktion und die Vermarktung finanzierten.

…würden Sie es wieder tun?

Auf jeden Fall, weil die mediale Aufmerksamkeit hat sich definitiv ausgezahlt!

Ihr Geschäftsmodell bezeichnet man auch als „Razor-and-Blade“ System, in Anlehnung an die Gilette Rasierer mit den teuren Ersatzklingen, und es gilt in der der BWL als Erfolgsmodell. Haben Sie dies von langer Hand geplant?

Genau diese Überlegung war damals eine persönliche Voraussetzung von mir an das Geschäftsmodell. Ich wollte keine One-Shot Produkte produzieren, weil ich dann gezwungenermassen immer wieder neue Produkte erfinden musste, um den Umsatz konstant zu halten oder zu steigern. Die Idee mit dem wiederkehrenden Umsatzträger kam vor 12 Jahren, als ich erstmals die Idee mit zzysh hatte. In dieser Phase hat z.B. das Nespresso-Kapselsystem und das Soda-Club Konzept richtig an Anklang gefunden.

Wichtig ist auch eine gute Kundenbindung, dabei braucht es viel Zeit um den Kundenstamm aufzubauen.

Auf Ihrer Website ist kein Team ersichtlich. Benötigen Sie denn keine Unterstützung in Ihrem Start-Up?

Insgesamt sind wir 8 Mitarbeiter bei zzysh in verschiedenen Funktionen wie Produktion, Distribution, Verkauf und Marketing, Social Media Management. Zusätzlich haben wir auch externe Berater für die Marketing- und Businessstrategie.

Man sagt immer wieder, dass Selbständige härter und länger arbeiten müssen als Angestellte. Können Sie diese Aussage bestätigen?

Diese Aussage kann ich 100% bestätigen. Es sind natürlich schon zwei verschiedene Paar Schuhe. Unser Start-Up besteht jetzt bereits seit 7 Jahren, wir haben also die kritischen ersten 5 Jahre bereits überlebt. Dies war aber nur mit viel Einsatz und Herzblut möglich. Als Unternehmer sollte man deshalb auch immer wieder seine Vision vor Augen haben, damit man auch in turbulenten Zeiten die Motivation nicht verliert.

… wie lautet die Vision von zzysh?

Wir wollen im Konsumgüter- und Foodbereich einen neuen und innovativen Ansatz entwickeln, der sich am Bedürfnis der Kunden nach Frische orientiert. Dazu kommt im Weiteren die zunehmende Digitalisierung der Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie hinzu, die wir als riesige Chance verstehen und diese auch mittragen wollen.

… wo sehen Sie sich mit zzysh in dieser Digitalisierungswelle?

Das grosse Potential sehen wir hier bei zzysh Food und allem was mit Foodmanagement von Lebensmitteln zu tun hat. Dies schafft die Basis für die Weiterentwicklung im Bereich des Ess- und Einkaufsverhaltens, der gesunden Ernährung und lässt Spielraum für die Realisation von weiteren Ideen. Grosses Potenzial sehen wir auch in der Reduktion von Foodwaste, welches auch ein ganz persönliches Anliegen von mir ist.

Wie geht es bei zzysh weiter?

Als nächstes Ziel steht die internationale Expansion mit Fokus USA an. Dabei konzentrieren wir uns stark auf Online-Sales und arbeiten zu diesem Zweck auch mit drei lokalen Partnern zusammen.

… und wo produzieren sie dann die Produkte für diese Märkte?

Das Produktionskonzept wird dasselbe bleiben. Das Grundprodukt von ZZYSH WINE und ZZYSH CHAMPAGNE wird in Thailand produziert und danach zu uns nach Europa oder in die USA geliefert. Die Nachfüllkartuschen produziert ein Unternehmen aus Österreich für uns und beliefert uns auch von dort aus.

Was raten Sie unseren Jungunternehmern, die gerade über STARTUPS.CH ihr erstes eigenes Unternehmen gegründet haben?

Zuerst einmal rate ich jedem Jungunternehmer sich an den Grundsatz von Trau, schau, wem zu halten. Man sollte genau darauf achten mit wem man Geschäfte tätigt und inwiefern gerade dieser Partner einem weiterhelfen kann. Als Jungunternehmer erhält man viele verlockende Angebote, die sich aber bei einer näheren Betrachtung als unbrauchbar herausstellen.

Der zweite Tipp lautet: Halte durch! Man fällt am Anfang einige Male hin und muss danach wieder aufstehen und weitermachen. Dazu benötigt man neben einer klaren Vision, aber auch ein gutes Team. Ein solches zu finden ist mitunter der schwierigste Teil, weil es ein langer und konstanter Prozess ist.

Herr Jüni, wir danken Ihnen herzlich für dieses interessante Gespräch!

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